Politik & Energiewende

 

Energie aus Abwasser ist nahezu unbekannt. Der gesetzliche Rahmen für den Wärmemarkt (z.B. EEWärmeG, EnEV, usw.) kennt Abwasser als Energiequelle bislang nicht. Dies führt dazu, dass die Entwicklung von Abwasserenergie-Projekten langwierig ist. Laut aktueller Gesetzgebung muss ein Neubau in Deutschland einen bestimmten EE-Anteil bei der Wärmeversorgung aufweisen, im Bestand wird der Einsatz von EE bei der Wärmeversorgung durch Förderungen angereizt. Für die Energie aus Abwasser gilt: Da sie als Option weder benannt oder bekannt ist, ist ihr Einsatz schwer zu vermarkten oder umzusetzen.

 

Beispiel:

Zur Prüfung des Einsatzes der Energie aus Abwasser bei einem Gebäude braucht es drei Informationen: 1. Befindet sich ein Kanal in der Nähe des Gebäudes? 2. Welche Mindestmenge an Abwasser führt dieser Kanal? 3. Welche Mindesttemperatur hat das Abwasser? Auf Basis dieser Informationen lassen sich die Kosten für den Einsatz der Energie aus Abwasser errechnen und mit anderen Technologien oder Energieträgern vergleichen.

 

Da aber Abwasser vom Gesetzgeber nicht als Option benannt wird, besteht sowohl beim Kanalnetzbetreiber, der Auskunft über Kanal, Wasser und Temperatur geben könnte, als auch beim Kunden, der diese Option in keiner gesetzlichen Vorgabe oder einem Förder- programm finden kann, große Unsicherheit und Zurückhaltung. Dies gilt es nun zu ändern, damit Energie aus Abwasser als Energieoption gleichberechtigt in den Wettbewerb mit anderen Klimaschutzoptionen treten kann.

 

Was kann Politik also tun, um Energie aus Abwasser den Markteintritt zu erleichtern?

  1. Gleichstellung der Energie aus Abwasser mit Geothermie und Umweltwärme als erneuerbare Energie und Wärmepumpen-Technologie
  2. Verankerung der Energie aus Abwasser in einschlägiger Gebäude-Gesetzgebung (z.B. EEWärmeG, EnEG, EnEV bzw. GEG) und Förderprogrammen (z.B. MAP, APEE)als erneuerbare und Wärmepumpen-Anwendung analog zu Geothermie und Umweltwärme
  3. Erstellung von Potenzial-Atlanten analog zu Windenergie und Informationskampagne bzw. Berücksichtigung bei Studien
  4. Ausweitung der EEG-Umlage auf andere Sektoren / Entlastung der Strompreise, um Strom im Wärmemarkt wettbewerbsfähig zu machen